Der inzwischen 36-jährige Mailänder Backup Paolo Della Bella musste aufgrund der aktuellen Ausländerregelung die gesamte Saison auf der Tribüne verbringen. Heute durfte er von Beginn an auflaufen und hatte einen großen Anteil am bereits zweiten Sieg, den Mailand heuer in der Leitner Solar Arena feiern durfte. Neben Torhüter Dainton fehlte den Lombarden auch DiDiomete; bei den FIAT Professional Wölfen – mit Rundensponsor Zirkonzahn – hingegen war zum wiederholten Male ein Rumpfteam gefordert: zu den verletzten Tauber und Elliscasis, dem abgewanderten und noch nicht ersetzten Söderström sowie dem gesperrten McCauley gesellten sich auch noch die erkrankten Aubin, McLeod und Crepaz.

Mit dieser kurzen Bank waren Konzentration und Kämpferherz gefragt, und im ersten Drittel sah es auch ganz nach einer vollen Rehabilitation des missglückten Ritten-Auftrittes vom Donnerstag aus. Ling glänzte mit millimetergenauen Pässen, Scandella und O’Marra waren immer wieder gefährlich, Hofer und Campbell prüften Della Bella mit Schüssen aus der zweiten Reihe und Mailand kam selbst ganze drei Mal in die Nähe von Kosta. Und als die Entlastungslinie Obermair – Erlacher – Obermair einen hartnäckigen Angriff auch noch mit einem Torerfolg krönte (18.00 Min.; erster Saisontreffer für Benno Obermair), schien das Spiel seinen Lauf zu nehmen.

Doch nachdem Scandella im zweiten Abschnitt zuerst am Lattenkreuz scheiterte und wenig später mit einem schönen Schuss noch einmal nicht auf 2:0 erhöhen konnte, stand es plötzlich 1:1: Ranallo verwertete einen präzisen Pass von Caletti von hinter dem Tor (26:13 Min.). Und während im Anschluss O’Marra nach einer starken Offensivaktion von Helfer ganz alleine vergab und auch eine regelrechte Belagerung im Powerplay erfolglos endete, zeigte auf der Gegenseite Fontanive, wie einfach Toreschießen sein kann: aus kurzer Distanz drückte er nach 33.41 Min. zum 1:2 ein.

Kapitän Helfer forderte im Drittelpauseninterview, dass man vorne bei solchen Möglichkeiten die Tore einfach machen und durch Beharrlichkeit auch das nötige Quäntchen Glück erzwingen müsse. Doch dieses Vorhaben wurde entscheidend gestört, als die Mailänder zu Beginn des Schlussabschnittes zwei Mal im Break auf und davon zogen und völlig humorlos auf 1:3 (Gellert ins Kreuzeck nach 42:42) und 1:4 (Lo Presti im Duett mit Fontanive nach 44:54) stellten. Der Anschlusstreffer durch Scandella, der alleine auf Della Bella zueilte und zum 2:4 einschob, erfolgte postwendend (6:11 Min.) und ließ noch einmal Hoffnung aufkommen bei den 1.500 im Stadion (darunter vielen Kindern, die aus Anlass des von Falkensteiner gesponserten Family Days einen besonderen Tag erlebten). Die letzten 10 Minuten belagerten die Wölfe das Mailänder Tor und stemmten sich mit Vehemenz gegen die Pleite, doch mit Glück und Können konnte Oldie Della Bella seinen Kasten sauber halten und das Ergebnis über die Zeit retten.

Nach dieser Niederlage machte sich – im Team wie auf den Rängen – eine gewisse Ratlosigkeit breit: eine kämpferische Mannschaft und die Klasse von Einzelspielern reichten bei weitem nicht aus, hier als Sieger vom Eis zu gehen. Auf der Gegenseite zeigte Mailand erneut, wie man mit absolut schnörkellosem und zugleich effizientem Spiel auch mit vergleichsweise geringen Mitteln erfolgreich sein kann.